Gude, Frühlingsluft!
Tschö, Frau Holle! Und plötzlich tritt man morgens zur Tür raus und stellt fest: Uuii, es riecht nach Frühling. Das war hier so vor etwa zwei-drei Wochen. Vor einer Woche hörte man besser auf die Omma und lies das Unnerhemd an: der Wind war gefühlt sibirisch und es war wieder alles schneeweiß.
Gestern ist ein Regentag gewesen, aber die Wetter-App behauptet, dass dies der letzte war für die nächste Zeit. Wir haben auch ehrlich gesagt grad genug vom Matsch und unser Baustellenbestimmer hat allen Mut beeinander gekratzt und den Beton für die Bodenplatte geordert. Das wäre schon richtig bescheiden, wenn´s da reinregnen würde…
Wir wollen Frau Holle auf keinen Fall ihre Berechtigung und ihre Dekorationskünste absprechen… Wirsing, Grünkohl und Lauch haben allerdings genug vom Wechselbad der Temperaturen und signalisieren dies deutlich mit faulenden Stellen und schwenken gelbe Blätter. Das macht die Ernte mühsam und unwirtschaftlich. Ehepaar Storch ist übrigens auch der Meinung, dass es lange genug kalt war und stapft demonstrativ futterfindend über den Acker – man sieht´s nicht direkt, aber sie haben noch die dicken, gestrickten Ringelsocken an 😉
Viele Knollen und Wurzeln wünschen sich ebenfalls den Frühling herbei und beginnen ihm entgegen zu wachsen. Die Kartoffeln keimen fröhlich vor sich hin – letztes Jahr um diese Zeit lagen die ersten frühen Sorten schon in der Erde. Auch die Grundbodenbearbeitung hat bei uns bisher fast nicht stattgefunden, weil es einfach viel zu nass ist und teilweise das Wasser noch auf den Felden steht. An dieser Stelle ist Geduld gefragt. Auch für die, deren grüner Daumen schon mächtig juckt.
Im geschützten Rahmen der Folientunnel haben wir begonnen einige Salate zu pflanzen. Hier ernten wir auch jetzt unseren Wintersalatmix aus Rote Bete-Blättern, Barbarakraut und Postelein – eine kleine Verlängerung für die heimische Wintersalat-Saison, die demnächst zu Ende geht, wenn der letzte Feldsalat und Zuckerhut verspeist ist.
Da wir nur sehr begrenzt Jungpflanzen selbst anziehen können, haben wir für unseren Auszubildenden und unsere Jahrespraktikantin ein kleines Projekt gestartet, damit sie auch praktisch was lernen zum Thema Säen und Anzucht. Hier war Thomas der Erklärbär und die Palette wurde zur Tafel. Einige Tomatenpflanzen und viele verschiedene Blumen für den Saisongarten und Hofladen wurden von Hand ausgesät, um später zum Teil pikiert und in Töpfe, bzw. auf ein Blumenfeld gepflanzt zu werden. Wenn´s was wird, wird´s bunt!
Apropos grüner Daumen… laut Kalender ist ja noch Winter, aber es gibt ein paar Vorbereitungen, die man nun schon treffen kann für einen gelingenden Start ins Gartenjahr. So haben wir für die Voranzucht schon Anzuchterde (nur im Hofladen) und diverse Saaten von Bingenheimer im Sortiment, außerdem Steckzwiebeln und Knoblauch.
Irgendwann in der Geschichte wurde der Beginn des Frühlings mit dem Putzen verknüpft. Das haben wir nun davon: Fasten - und in der durch Nicht-Essen gewonnenen Zeit sollten wir den Frühlingsputz erledigen. Eigentlich ein plausibles Konzept auf einigen Ebenen, wenn man sich nur mal aufraffen könnte. Diejenigen, die das schaffen, können wir sehr gerne unterstützen mit diversen Fastengetränken und Tees, sowie ökologischen Putzmitteln für alle Fälle und Brillenstärken.
Den Winter vertrieben haben wir bereits im Gewächshaus. Dort wurden nach und nach alle drei Abteile mit Mistkompost eingestreut und das Ganze dann oberflächlich eingearbeitet. Die Wände sind strahlend blank gewienert worden, die Heizungsrohre durften sich schonmal warmlaufen, um den Boden aufzuheizen und dann wurde für jede Pflanze ein hübsches Loch gebohrt. Zuerst sind dann die verschiedenen Tomatensorten angekommen, bekamen ihr Zimmer zugewiesen, ihre Wasser-Versorgungsschläuchlein gelegt und ihre Stützschnur angeclipst. Kurz danach haben wir das Spiel mit den Gurkenpflanzen wiederholt. Nun ist das Haus voll und bisher ist die Stimmung sehr wachsfreudig und die ersten Blüten präsentieren sich auch schon. Mit den Pflanzen – und teilweise schon früher – sind auch wieder Nützlinge im ganzen Haus verteilt worden, die sich gleich um ungebetene Gäste kümmern, sollten die sich einschleichen. Zu dieser Lebensgemeinschaft gehören ebenfalls einige Hummelvölker. Ihre Zuständigkeit ist die Befruchtung der Blüten. Wir rechnen mit den ersten eigenen Gurken Mitte/ Ende März und die Tomaten können wir voraussichtlich ab Ende April vorsichtig einplanen 😊
Kaum zu übersehen ist der riesige Baukran, der nun schon ein halbes Jahr lang den Blick aus unserem Bürofenster dominiert. Es hat ja leider sehr lange gedauert, bis er als solcher aktiv werden durfte. Den ganzen Herbst über wurde er überwiegend von Vögeln als Flughafenterminal genutzt. Aber mittlerweile schweben fast täglich schwerwiegende Elemente durch die Lüfte, um zu einem sinnvollen Puzzle zusammengesetzt zu werden. Beeindruckend war der Aufbau der großen Betonpfeiler für unsere zweite Halle. Kleiner Fun-Fact am Rande: Auf Baustellen in Deutschland müssen Dixi-Klo´s von Oktober bis März beheizt sein – dieses Gesetz und ein paar mehr kennen wir nun auch, dank einem Besuch der Bau-Berufsgenossen!
So langsam nimmt das Jahr also Fahrt auf und mit dem hellen Grün kehren die Kraniche und auch die Hoffnung auf ein gutes Gemüsejahr wieder zurück. Auf gute Hoffnung im zweiten Anlauf setzen Biggi und Noname: der Hoffnungsgeber und Samenspender heißt Schwarzenegger und führt nun aus, was sein Vorgänger nicht vollbringen konnte – heute aber erstmal Picknick, weil´s Wetter grad so schön ist! (Die Lämmer gibt’s dann vermutlich ein paar Wochen später als üblich.)
Zarte Frühlingsgrüße aus Oberissigheim,
Rebekka Zell für das Ackerlei-Team